8. Kampfsportseminar

Am 6. und 7. Juli findet bei uns das 8. Kampfsportseminar statt. Dafür brauchen wir noch tatkräftige Unterstützung. Aufbauen, Grillen, Brötchen schmieren, Kuchen backen ect. Anke hat eine Liste im Dojo aufgehängt. Bitte tragt Euch dort ein oder nutzt die Kommentarfunktion.

Yes, he can

Tilman Richter_Dritter_bei_DEM
wer nach der Überschrift schon ahnt, was jetzt kommt und mit dem Gewäsch sentimentaler, älterer Männer nichts anfangen kann, dem sei der sofortige Ausstieg empfohlen. Ich kann nicht anders.

Freitag frei. Der Vormittag gehört den letzten Vorbereitungen, Pässe prüfen, Wettkampfkiste packen, Auto voll tanken. Die Jungs werden nach der Schule noch abgefüttert und dann geht es los. Gelsenkirchen. Aber unser Ziel ist nicht die Veltins Arena sondern das Sportzentrum Schürenkamp, dem diesjährigen Austragungsort der Deutschen Meisterschaft im Ju Jutsu Fighting. Unser Fighting Team ist mit der gesamten U18 vertreten, also Albert, Leo, Patrick und Tilman. Die Anfahrt verläuft annähernd reibungslos. Im einzigen kurzen Stau treffen wir die restlichen Sachsen. Das sind Thomas Muschalle, eigentlich also auch ein Groitzscher, René Költz aus Freiberg und einer der Helden meiner Geschichte, Frank Müller aus Kamenz, der schon oft bei uns zum Kadertraining zu Gast war. Wir sind überaus pünktlich in der Halle, wo die Senioren für den Samstag gewogen und für gut befunden werden. Tilman wiegen wir auch schon mal probehalber. Drei Pfund müssen bis Samstagabend noch weg. Das macht die Sauna.

Samstag. Erster Wettkampftag. Die Senioren sind heute gefordert. Frank und René sind gleichzeitig auf benachbarten Matten im Einsatz. René ist Schüler von Thomas, Frank und ich haben im Kader zusammen trainiert. Also sind die Rollen verteilt. René schlägt sich für seine erste Deutsche recht anständig und kann durchaus mit gewachsenem Selbstvertrauen nach hause gehen.

Frank ist der Hammer. Hochkonzentriert geht er zu Werk und ruft seine Kraft und sein Repertoire überraschend routiniert ab. Der Weg durch die Vorrunden bereitet keine Probleme. Dann warten. Finals beginnen um fünf. Frank wird gegen halb sechs dran sein. Der Gegner ist technisch versierter, verfügt aber nicht über so viel Kraft wie Frank. Unser Plan ist einfach. Nicht seinen Kampf aufzwingen lassen, durchmarschieren und den Burschen einfach überrollen. Aber das Finale einer DEM ist nicht einfach. Der Bursche will sich nicht überrollen lassen. Ein packendes Duell auf Augenhöhe, welches der Gegner am Ende für sich entscheidet. Geht in Ordnung. Frank wird Deutscher Vizemeister bis 85 Kg. Darauf darf man stolz sein.

Thomas findet nicht wirklich gut ins Turnier. Dieses Schwergewicht verdient seinen Namen und es gelingt Thomas nicht, sich durchzusetzen. Die Jungs sind alle nette Kerle aber auf der Matte kracht es ordentlich. Am Ende gewinnt wenig überraschend Bundeskaderathlet Rado Mollenhauer.

Inzwischen ist unser Nachwuchs gewogen. Alles hat gepasst. Tilman hat Hunger und Durst. Ein Italiener in der Nähe des Hotels passt perfekt. Das Essen schmeckt nicht nur hervorragend, die Portionen sagen unseren ausgehungerten Heldenkriegern ebenfalls zu.

Sonntagmorgen. Die Anspannung ist mit Händen zu greifen. Glücklicherweise kommt die Klasse -73 Kilo gleich als erste dran. Patrick und Tilman im Einsatz. Patrick wie immer kämpferisch. Angst kennt der Bursche nicht. Eine ganze Reihe hilfreicher Techniken leider auch nicht. Bis hierher ist er mit Courage und einer Spur Chuzpe gekommen. Aber um hier erfolgreich mitzumischen braucht es mehr. Vor allem mehr Training.

Tilman steht gleich im ersten Kampf gegen Robert Westphal aus Bernau. Der hatte ihn bisher immer mehr oder weniger knapp besiegt. Diesmal war es weniger knapp. 14:0 und man hatte das Gefühl, Tilman war noch nicht richtig angekommen. Die Enttäuschung war groß. Aber das zeichnet Tilman aus. Abschütteln und Trost in der Trostrunde suchen. Da ist noch eine Chance auf eine Medaille. Die folgenden Runden laufen besser. Tilman ist konzentriert und kämpft technisch versiert und taktisch abgebrüht, erreicht das kleine Finale und begegnet dort ausgerechnet Robert wieder. Aber inzwischen ist Tilman hellwach. Es beginnt ein Zweikampf auf Augenhöhe. Tilman macht seine Sache gut. Robert auch. Die stets knappe Führung wechselt. Dreißig Sekunden vor Schluss liegt Robert vorne. Jetzt nochmal Gas. Jetzt alles geben. Matté. 11 zu 11 auf der Tafel. Die Ippons entscheiden für Robert. Der wird auch zum Sieger erklärt. Mein erster Ausruf ist nicht druckreif. Gequältestes Lächeln. Glückwünsche. Ist ja ein netter Kerl aber die Enttäuschung ist doch groß und die nächste Chance ein Jahr hin. Dann kommt plötzlich Unruhe auf. Diskussionen am Kampfrichtertisch, die Anzeige springt auf 12:11 für Tilman. Was ist denn da noch los? Ein Abgleich zwischen Liste und Computer zeigt einen Wazari mehr für Tilman. Die Entscheidung wird aufgehoben, Tilman zum Sieger erklärt. Diskussionen mit Martin Scheibe, dem Coach aus Bernau, der ein schlechter Coach wäre, wenn er klaglos akzeptiert hätte. Ich verstehe das gut. Tilman hat in Hamburg vor zwei Jahren ebenso verloren. Am Ende gilt die Liste und Tilman hat Pokal und Platz auf dem Treppchen knapp erobert.  Meiner Vaterherz, das ohnehin auf Hochtouren lief, hüpft vor stolzer Freude. Respekt! Respekt aber auch vor Robert, der die Enttäuschung ruhig und freundlich hinnahm. Einen besseren Verlierer habe ich noch nicht erlebt.

Im Anschluss kämpfen ebenfalls zeitgleich Albert und Leo. Tilman coacht Albert. Ich bleibe bei Leo. Beide können sich nicht durchsetzen. Leo verliert seinen ersten Kampf gegen den späteren deutschen Meister. Der zweite misslingt knapp. Erstes Jahr U18, erste DEM. Schlecht sah das nicht aus. Da geht nächstes Jahr mehr. Alberts zweiten Kampf verfolge ich im Augenwinkel mit. Ebenfalls recht knapp. Ideen fürs Training nehmen wir reichlich mit. Nächstes Jahr mehr. Jetzt wird erst mal unser Held ausgiebig gefeiert.

Berlin Berlin

GEMO ist keineswegs das neue Maskottchen der GEZ sondern die offizielle Abkürzung der Gruppeneinzelmeisterschaft Ost im JuJutsu Fighting und Duo, ehemals ODEM. Dieses Jahr fand sie Anfang Mai in Berlin statt und wir waren dabei.

Und wie wir dabei waren. Unsere U15 und U18 hatte sich ausnahmslos qualifiziert und damit war fast das komplette Fighting Team gemeldet. Wir hatten uns entschlossen bereits am Vorabend anzureisen. Nach der Waage ging es also in die JH Wannsee, übrigens ein sehr schönes Objekt mit einem riesigen Seegrundstück. Dort waren alle sächsischen Teilnehmer untergebracht, die nicht erst am Morgen anreisen wollten.Das hatte ich mir recht entspannt vorgestellt. Entspannt waren leider auch die Mitarbeiter des ausgewählten Pizza Services. Durch einige geschickte Ablenkungsmanöver gelang es mir knapp, der Lynchjustiz zweier dutzend ausgehungerter Kämpfer zu entgehen. Schließlich kam die Pizza und war größer als erwartet. Das Tilman vorzeitig aufgibt ist schon eine Seltenheit, beim Essen zumal. Der „Big Bear“ Pizza, musste er sich geschlagen geben.

Ausgeschlafen und mit einem guten Frühstück im Magen ging es am nächsten Morgen an den Start. Auf vier Matten wurde gekämpft und es ging zügig voran. Mit insgesamt acht Medaillen bei elf Startern, leider hatten wir zwei Krankheitsfälle zu beklagen, kann man recht zufrieden sein. Das brachte uns in der Gesamtwertung der Vereine immerhin auf Rang 7. Allerdings fehlten die ersten Plätze, um uns weiter vor zu schieben. Allein Max Winderlich hatte wenig Schwierigkeiten und holte sich Gold und Titel. Tilman, Leo, Vivienne und Emy erkämpften immerhin Silber. Tilman war in einem starken Feld klar auf Goldkurs. Eine kleine Unachtsamkeit in den letzten zehn Sekunden brachte seinem Gegner leider noch einen Ippon im Part II und damit bei Punktgleichheit den Sieg. Leos gesamte Klasse wurde kurzerhand in’s Schwergewicht aufgelastet. Kein Problem. Allein Eick Nawacki, ohnehin in die -81er runtergehungert, war stärker. Das ist keine Schande. Die drei Bronzemedaillen gingen an Patrick, Melissa und Valentine. Patrick, wie immer technisch eher unorthodox, gelang dies immerhin in der starken Klasse U18 -73. Da nimmt er mir als Trainer immer wieder den Wind aus den Segeln, wenn ich seinen mangelnden Trainingsfleiß kritisiere. (bleibt trotzdem wahr Patrick). Und damit geht es, zusammen mit den drei weiteren U18ern im Team weiter nach Gelsenkirchen zur DEM. Nicht unerwähnt bleiben soll auch Stefan, der in einer stark besetzten U15, – 45 noch vor Alex und Johannes Fünfter wurde und insgesamt ein gute Leistung zeigte.

Heimfahrt nach kurzer Diskussion mit Zwischenhalt bei McD. Wozu diskutiere ich überhaupt noch. Die Mädels werden immer hübscher und raffinierter und ich werde nur noch älter. Alles in allem also ein gelungener Wettkampftag. Und wenn Ihr mir nächstes Jahr drei Goldmedaillen holt, lade ich Euch sogar ein.